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Überwachung total – wie viel Selbstverteidigung ist möglich?

Profit und Macht. Das sind die wahren Gründe für die allgegenwärtige Überwachung.

Verkauft wird uns all dies unter dem Deckmäntelchen des Komforts und der Sicherheit. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, bewiesen einmal mehr die tragischen terroristischen Anschläge, die ganz Europa erschütterten.

 

Zwei Arten von Überwachung, zwei Ziele: Während staatlich organisierte Bespitzelung vor allem die totale Kontrolle im Sinn hat (unter dem Vorwand, die Sicherheit ...aufrechtzuerhalten), zielt die Überwachung durch die Industrie auf möglichst hohe und schnelle Profite ab. Leider funktioniert beides. Und beides wird von breiten Teilen der Bevölkerung stillschweigend hingenommen.

Der Bespitzelung durch Unternehmen wie Google, Yahoo, Amazon und vielen anderen stehen die meisten Menschen völlig gleichgültig gegenüber, da sie bislang keine Auswirkungen bemerken. Und auf Massendatenspeicherung durch Regierungen und Geheimdienste reagieren sie mit einer seltsamen Mischung aus Ohnmacht und stiller Akzeptanz. Bis auf wenige Ausnahmen scheinen diese Eingriffe in die Privatsphäre nahezu spurlos an den Menschen vorüberzugehen. Doch woran liegt das? Ist das Vertrauen in den Staat tatsächlich so groß, dass niemand einen wie auch immer gearteten Missbrauch befürchtet? Oder wissen tatsächlich so wenige über das tatsächliche Ausmaß und den Einfluss auf das Verhalten der Menschen durch die allgegenwärtige Überwachung Bescheid?

Wie viel wissen Datensammler wirklich?

Ein Argument, das wir immer wieder zu hören bekommen (zusätzlich zum berühmten „Ich hab ja nichts zu verbergen“), ist das folgende: „Die sammeln so viele Daten, die wissen ja gar nicht, welche von mir stammen und welche nicht.“ Nun, diese Annahme ist schlicht und einfach falsch. Egal, ob wir mit dem Smartphone in der Hosentasche spazieren gehen, eine US-amerikanische Suchmaschine verwenden, eine E-Mail über einen „kostenlosen“ Anbieter versenden, in einem Online-Shop stöbern und Preisvergleiche anstellen – „sie“ wissen ganz genau, von wem welche Daten stammen. Neben IP-Adresse leisten auch User-ID, Cookies, diverse Spionage-Tools und natürlich gefinkelten Algorithmen ganze Arbeit. Schließlich lassen sich persönliche Profile ganz wunderbar auswerten und verkaufen. Und das nicht nur an Marketingfirmen, die uns mit Werbung zumüllen. Auch potenzielle Arbeitgeber, Versicherungsgesellschaften usw. sind in zunehmendem Maße an unseren Profilen inklusive Suchanfragen und Foren-Einträgen (und im besten Fall noch Daten aus der Fitness-App) interessiert.

Der Staat hingegen will ohnehin einfach alles wissen und begründet so ziemlich alle Anstrengungen, an die Daten der Bürger zu kommen, mit dem Begriff Terrorabwehr. Dass dieses Unterfangen völlig nutzlos ist, hat Frankreich auf tragische Weise bewiesen: Das Land betreibt Vorratsdatenspeicherung auf höchstem Niveau, überwacht die Aktivitäten der Bürger bis zum Exzess und konnte dennoch keinen Anschlag verhindern. Trotzdem werden die Terroranschläge verwendet, um noch mehr Überwachung zu rechtfertigen. Bezahlen müssen dies alle Bürger – und zwar mit ihrer Privatsphäre. In weiterer Folge besteht sogar die Gefahr, dass wir alle diese staatlichen Eingriffe mit dem Verlust der Demokratie bezahlen werden. Vor allem jetzt, da zahlreiche radikale politische Kräfte die Isolation einzelner Staaten, verbunden mit noch mehr Überwachung, verlangen und zum Teil schon wirksam vorantreiben.

Was kann der Einzelne tun?

Wir wissen, dass sich viele Menschen angesichts der aktuellen Lage machtlos fühlen. Doch das muss nicht sein. Selbst, wenn wir als Einzelpersonen nicht in der Lage sind, die aktuelle politische Lage zu ändern, können wir uns doch gegen die maßlose und anlasslose Massenüberwachung zur Wehr setzen. Genau genommen ist es unsere Pflicht als Bürger, Widerstand zu leisten und den Radikalisierungsversuchen durch extremistische und populistische Parteien entgegen zu treten und es den Datensammlern so schwer wie möglich zu machen. Mit ein paar kleinen Verhaltensänderungen ist das gar nicht so schwer.

Die erste Maßnahme mag für viele nach Verzicht klingen. Trennt eure TV-Geräte vom Internet. Denn die ach so komfortablen Smart-TVs liefern nicht nur Bild und Ton in eure Wohnzimmer, sie machen es auch andersrum. Nicht umsonst hat sich der britische Geheimdienst bereits massiv über zu viel Nacktheit vor den heimischen TV-Geräten beschwert. Und dass dies in anderen Ländern nicht geschieht, ist illusorisch. Und dann wäre da noch das leichtfertige Verhalten mit dem Internet selbst. Füttert keine Datenkraken! Google, Yahoo und Co leben nur von euren Daten und die Staaten und Geheimdienste verdienen daran mit (wenn auch nicht zwingend aus monetärer Sicht). Entzieht ihnen ihre Existenzgrundlage – verwendet sichere Dienste, die sich glaubhaft für Privatsphäre einsetzen, nutzt Verschlüsselung wo immer es möglich ist und hört auf, Facebook mit euren privaten Geheimnissen zu versorgen. Und last but not least: Löscht regelmäßig eure Cookies und Flash-Cookies!

Und dann wären da noch Amazon & Konsorten: Wusstet ihr, dass die NSA ihre bzw. eure Daten zumindest teilweise bei Amazon speichert? Passt doch ins Bild, oder? Eine Handelskette, die von euren Daten und der Ausbeutung der Mitarbeiter lebt und noch eifrig mit dem US-amerikanischen Geheimdienst kooperiert. Wir wissen, dass es so schön einfach, praktisch und oft auch kostengünstig ist, dort zu bestellen und sich gleich noch ein paar Filme zum Fix-Tarif anzusehen. Aber überlegt, was euch Amazon wirklich kostet – neben der massiven Ausbeutung, dem riesigen Datenklau und sonstigen fragwürdigen Praktiken, kostet euch das Unternehmen nämlich eine schöne Stange Geld. Dank der gängigen, leider legalen Steuerflucht werden die meisten Gewinne im Ausland geparkt, während unserem Staat langsam aber sicher das Geld ausgeht. Bezahlen müsst dann ihr in Folge von Steuererhöhungen. Was wiederum dazu beiträgt, dass populistische Parteien noch mehr Zulauf haben, die euch Stück für Stück die Privatsphäre und schlussendlich die Freiheit nehmen.